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Arabischer Frühling in der Türkei?

Es scheint, als hätte die Türkei ihren ganz eigenen arabischen Frühling. Offensichtlich unbemerkt, arbeitet Präsident Erdogan bereits seit längerer Zeit daran, sein Land wieder zu tieferen islamischen Wurzeln zu führen. Mit dem Vorhaben, der Istanbuler Gesellschaft den beliebten Gezi-Park wegzunehmen und zu bebauen, ist das Fass nun endgültig übergelaufen.

Nicht nur die junge Bevölkerung der Stadt, im ganzen Land erheben sich nun die Menschen gegen den Präsidenten. Was hinter den Protesten des innerstädtischen Parks begonnen hat, wird seit mehreren Tagen als Sprachrohr gegen die harte Hand der türkischen Regierung genutzt. Die arabischen Länder haben es mit den Revolutionen und dem Sturz ihrer Präsidenten der Türkei vorgelebt: Steht auf für Euer Leben! Auch wenn sich das ehemalige Osmanische Reich innerhalb der arabischen Welt ein wenig absetzt, so wehren sich die Menschen an der Schwelle zu Europa auch hier gegen Bevormundung von Menschen im Namen der Religion.

Der Horizont der Geduld Erdogans ist erreicht, der Zenit von der wütenden Masse überschritten. Am Samstagabend ließ er den Gezi-Park mit einem Großaufgebot an Polizisten von der friedlichen Menge räumen. Die gerade noch so friedliche Stimmung, die während des Klavierkonzertes in der Luft lag, wurde nun brachial mit Wasserwerfern und Tränengas endgültig zerstört.

Die friedlichen Demonstranten Istanbuls flüchten vor dem Gas in die nahe gelegenen Hotels. Doch auch hier werden sie von den Polizisten herausgezerrt und geprügelt. Atemmasken voller Blut sprechen von einer gewalttätigen Sprache. Wie rabiat die Staatskräfte vorgehen, zeigen die Twittermeldungen der türkischen Ärztekammer, die davon sprechen, dass Menschen im Minutentakt mit schweren Verletzungen von Plastikpatronen eingeliefert werden. Viele werden mit Kopfverletzungen eingeliefert.

Die Macht, die Erdogan in diesen Tagen seinem Volk entgegenbringt, macht die Menge nur noch wütender. Sie wehren sich mutig. Es sollte ein friedlicher Samstag werden. Und nachdem Erdogan zusagt hatte, dass das geplante Bauvorhaben auf dem Gezi-Park gestrichen sein, wollte sich auch die Menschenmenge auf ruhigem Wege zurückziehen. Stattdessen reagierte ­die Staatsgewalt und die Atmosphäre erhitzt sich erneut. Es bleibt zu hoffen, dass die Protestwelle keine weiteren Todesopfer fordert.

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